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„Wir müssen verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen und die Grenzen unseres Planeten respektieren.“

Im Gespräch mit Tilman Eichstädt, Einkaufs- und Nachhaltigkeitschef bei HelloFresh.

Die Lebensmittelversorgung und den -konsum möglichst nachhaltig zu gestalten, ist ein integraler Bestandteil von HelloFreshs Geschäftsmodell. Was genau das bedeutet und inwiefern Nachhaltigkeit bei HelloFresh gelebt wird, erklärt uns Tilman Eichstädt, Einkaufs- und Nachhaltigkeitschef bei HelloFresh. Seit viereinhalb Jahren verantwortet er die Bereiche Produktentwicklung, Verpackung, Einkauf und Nachhaltigkeit im Segment International des Unternehmen. 

Was versteht HelloFresh unter Nachhaltigkeit?

Tilman: Wir verfolgen bei HelloFresh eine Mission: Wir finden neue Lösungen, wie Menschen sich einfach und bewusst ernähren können. Das zieht eine ganzheitliche Veränderung nach sich, die unsere Gesellschaft, unsere Mitmenschen und unseren Planeten gleichermaßen mit einschließt. Für uns bedeutet das nicht nur, unseren Kunden jede Woche neue Rezepte und frische Zutaten zur Verfügung zu stellen, sondern auch die Schaffung einer neuen Lieferkette, die den Planeten, seine Menschen und die planetaren Grenzen respektiert. Wir wollen die Nachhaltigkeit unseres innovativen Geschäftsmodells gewährleisten und weiter verbessern, insbesondere im Hinblick auf die wichtigsten Umweltthemen wie die Reduzierung von Lebensmittelabfällen, die Senkung der CO2-Emissionen, die Minimierung von Verpackungen und die nachhaltige Beschaffung von Zutaten. Im Endeffekt geht es doch darum, dass wir als Unternehmen uns unserer Rolle und unserer Auswirkungen bewusst werden. Wir müssen verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgehen und die Grenzen unseres Planeten respektieren.


Eine der größten Herausforderungen der Menschheit wird zukünftig sein, acht bis zehn Milliarden Menschen ein angenehmes Leben hier auf der Erde zu ermöglichen. Und das schaffen wir nicht, wenn wir so weitermachen, wie in den letzten 20 bis 30 Jahren, wenn wir weiterhin in dem Maße konsumieren und unsere Ressourcen verbrauchen. 


Wir müssen unseren Lebensstil und unseren Ressourcenbedarf so anpassen, dass alle mit abwechslungsreichem und gesundem Essen versorgt werden können. Aktuell wird davon ausgegangen, dass ein Drittel der weltweit erzeugten Lebensmittel nicht gegessen werden, weil sie entweder in der Lieferkette verloren gehen oder von den Kunden weggeworfen werden. Das wollen wir ändern und zu einer massiven Reduktion dieser Verschwendung beitragen. Unser Ziel ist es, die Verschwendung der von uns eingekauften Lebensmittel genau zu analysieren und idealerweise auf Null zu senken. Wenn wir mit unserer bereits jetzt sehr geringen Quote an Lebensmittelverschwendung von ein bis zwei Prozent dazu beitragen können, die Quote der gesamten Lebensmittelindustrie zu senken, wäre das ein großer Erfolg. Das sehe ich als Teil meiner persönlichen und auch HelloFreshs gesellschaftlicher Verantwortung an. Jedem bei HelloFresh ist es wichtig, etwas zu verändern. Ein Faktor, der da mitspielt, ist sicherlich, dass unsere Belegschaft insgesamt recht jung ist und somit zu den Generationen gehört, die die Auswirkungen des derzeitigen Umgangs mit dem Planeten noch sehr viel intensiver miterleben werden.


Wie konkret sehen die Nachhaltigkeitsbemühungen von HelloFresh aus?

Tilman: Nachhaltigkeit gehört bei allem, was wir tun, dazu – ganz egal, in welcher Abteilung oder auf welcher Position. Dabei arbeiten wir ganz grundsätzlich an vier großen Nachhaltigkeitsthemen: 

  1. Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln 

  2. Erfassung und Reduzierung der CO2-Emissionen

  3. Reduzierung und Optimierung der Verpackung

  4. Nachhaltige Beschaffung von Zutaten 

HelloFresh ist ein datengetriebenes Unternehmen, daher ist es uns wichtig, das auch in unseren Nachhaltigkeitsbemühungen zu hinterlegen. Wir arbeiten aktuell an einem Kennzahlensystem, um beispielsweise zu messen, wie viele Lebensmittel am Ende der Woche in unseren Produktionsstätten übrig bleiben und wie viel wir davon spenden, wie viel Verpackung wir benutzen und wo wir diese möglicherweise einsparen können, wie viel CO2-Emissionen wir verursachen und was wir dagegen tun können. Mit dem neuen System stellen wir sicher, dass wir uns kontinuierlich verbessern. Zudem arbeiten wir intensiv mit anerkannten Spezialisten zusammen, wie etwa mit dem Wuppertal Institut in Deutschland, mit der Universität Wageningen in den Niederlanden oder mit Terrapass in den USA und mit Planetly auf weltweiter Ebene, um unseren ökologischen Fußabdruck zu analysieren und zu reduzieren. Aktuell beschäftigen wir uns mit einem so genannten Materiality Assessment, also einer 360°-Betrachtung unseres Einflusses auf die Umwelt. Dazu befragen wir sämtliche unserer Stakeholder, von Kunden über Lieferanten bis hin zu Forschungsinstituten, Umweltverbänden und -gruppen, wo sie Herausforderungen und Optimierungsbedarf für uns sehen. 

Der Aspekt der Nachhaltigkeit begleitet HelloFresh seit vielen Jahren. Gibt es Meilensteine, auf die du und dein Team ganz besonders stolz sind?

Tilman: Ja, auf jeden Fall! Beispielsweise hat sich bei dem Kühlsystem in den Kochboxen viel getan. Unsere Kühlpacks sind mittlerweile wasserbasiert, sprich unsere Kunden können damit bedenkenlos ihre Blumen gießen. Mit unserer Paper Pouch, einer Kühltasche komplett aus recyclebarem Papier, die wir bereits in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden und Dänemark nutzen, konnten wir den Einsatz von Plastik bei der Versandverpackung weiter reduzieren.

Für die Lebensmittel, für die es noch keine adäquate Verpackungsmöglichkeit ohne Kunststoff gibt, sind wir überwiegend auf Monomaterial in Form von leichtem Kunststoff umgestiegen. Das erhöht die Recyclingfähigkeit ungemein. Betrachtet man zum Beispiel einen herkömmlichen Joghurtbecher, besteht dieser meist aus drei verschiedenen Bestandteilen: einem Plastikdeckel, einem Aludeckel und dem Becher selbst. Trennt man diese Materialien bei der Entsorgung nicht korrekt voneinander, kann es sein, dass Sortieranlagen sie nicht identifizieren können und sie letztlich nicht recycelt werden.Hier führen wir Monomaterial-Lösungen mit deutlich weniger und nur einer Sorte Kunststoff  ein. In Europa haben wir schon den Großteil aller Milchprodukte wie Sahne und Joghurt entsprechend umgestellt.

Ein weiterer Meilenstein ist mit unserer HelloFresh-eigenen Lieferflotte in den Niederlanden verbunden. Hier haben wir immer weiter an der Entwicklung unserer Elektro-Vans gearbeitet und erst kürzlich zusammen mit Daimler-Benz einen Elektro-Van auf die Straße gebracht, der ein passendes Kühlsystem für unsere Boxen besitzt.

Für alle diese teils vermeintlich klein wirkenden Veränderungen arbeiten im Hintergrund unsere Experten zusammen mit Lieferanten rund um die Uhr, testen Zusammensetzungen, entwickeln Batteriekapazitäten weiter und stellen Produktionsmaschinen um.

Wo siehst du nach wie vor die größten Herausforderungen für HelloFresh in puncto Nachhaltigkeit?

Tilman: Ich denke, die großen Zwei sind Verpackung und Lebensmittelabfall. Wir haben mit Projekten wie der Paper Pouch schon wichtige Schritte gemacht, aber wir arbeiten kontinuierlich daran, Verpackung immer weiter zu reduzieren und zu optimieren – aktuell vor allem an Isolierverpackungen. Grundsätzlich verpacken wir nur das, was unbedingt verpackt werden muss. Doch das darf nicht zulasten der Lebensmittelqualität gehen. Um unseren Kunden Zutaten unbeschadet und gekühlt nach Hause zu liefern, können wir nicht einfach auf sämtliche Verpackungen verzichten. Deshalb arbeiten wir daran, die Balance zwischen sicherem Versand und dessen ökologischen Auswirkungen zu optimieren. 

Die zweite große Herausforderung ist die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und -verschwendung. Hier haben wir schon viel erreicht. Unsere Kunden erzeugen mit einem HelloFresh-Abendessen durchschnittlich 21 % weniger Lebensmittelabfälle als bei einer Mahlzeit, die sie selbst mit Zutaten aus konventionellen Supermärkten zubereiten. Wir sind überzeugt, dass auch in unseren Distributionszentren und bei unseren Lieferanten deutlich weniger Lebensmittelabfälle anfallen als bei Supermärkten, unter anderem dadurch, dass wir eine bedeutend geringere Lagerzeit bei immer optimalen Temperaturen gewährleisten können.

HelloFresh ist der erste globale klimaneutrale Kochboxanbieter. Welche anderen Pläne hat der Marktführer für die Zukunft?

Tilman: Zuerst einmal wollen wir natürlich weiterhin zur Dekarbonisierung beitragen, d.h. mehr Grünstrom beziehen, mehr eigenen Solarstrom erzeugen und emissionsarme Belieferung ermöglichen, z.B. durch Elektro-Vans. Außerdem wollen wir immer besser werden, was das Thema Abfall und Plastikvermeidung angeht. Zudem ist ein Ziel – zugegebenermaßen eines, das schwierig zu benchmarken ist – Marktführer im Bereich des effizienten und sorgsamen Umgangs mit Lebensmitteln zu werden. In diesem Zusammenhang beschäftigen uns natürlich auch mögliche Regularien, die die Lebensmittelindustrie zukünftig betreffen könnten, wie etwa eine CO2-Kennzeichnung auf allen Produkten. In unserem Fall würde das auch bedeuten, jedes einzelne Gericht mit dem entsprechenden Fußabdruck zu kennzeichnen. Das würde ein tieferes Bewusstsein für eine nachhaltige Ernährung bei unseren Kunden schaffen. Ein ganz konkreter Trend, mit dem wir uns aktuell beschäftigen, ist auch die vegane Ernährung. Der Trend zu rein pflanzlichen Mahlzeiten ist in verschiedenen Ländern zu beobachten. Hier wird sich bei HelloFresh in naher Zukunft einiges tun. 

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